Malala Yousafzai – oder das Mädchen, dass den Taliban Einhalt gebot

„Bildung ist zu einem Verbrechen geworden, obwohl es eigentlich ein Menschenrecht ist. Es ist verboten für Mädchen in die Schule zu gehen. Ich hatte zwei Optionen, die eine war, zu schweigen und darauf zu warten, getötet zu werden. Und die zweite war, die Stimme zu erheben und dann getötet zu werden. Ich habe mich für die zweite entschieden.“

Malala Yousafzai, Rede zum Friedensnobelpreis, 2015

9 Oktober 2012 – die 15-jährige Schülerin Malala wird von Kämpfern der Taliban niedergeschossen, weil sie sich einem Verbot der Taliban widersetzt hat, um weiterhin in die Schule gehen zu können. Sie ist nicht allein, sie erzählt ihre Geschichte nicht, weil diese einzigartig ist, sondern weil sie das eben nicht ist. Malala ist eine von 66 Millionen Mädchen, denen man die Schulbildung und die Chance auf einen Beruf und eine Karriere verweigert. Sie ist eine von 66 Millionen Mädchen, die tagtäglich in Kinderehen und zu Kinderarbeit gezwungen werden. Sie ist eine von 66 Millionen Mädchen die ihrer Freiheit beraubt werden, die nicht ohne Schleier auf die Strasse treten dürfen und kein Recht haben, ihre eigene Meinung offen auszusprechen.

Das ist der Grund, warum Malala sich entscheiden hat, zu kämpfen. Für das Recht auf Bildung, Freiheit und Chancengleichheit.

Malala wird überall auf der Welt als Kinderrechtsaktivistin gefeiert und bewundert, doch in Pakistan, dem Land ihrer Geburt, ist sie verfolgt und verstossen.

Malala Yousafzai wird am 12. Juli 1997 im Swat-Tal in Pakistan als älteste Tochter geboren. Schon ihre Geburt steht unter einem schlechten Stern, da sie ein Mädchen war und kein Junge, wie es sich das ganze Dorf, wie auch ihre Mutter gewünscht hatten. Doch ihr Vater setzt sich schon früh für sie ein und unterstützt sie. Malala wird nach der pakistanischen Poetin und Volksheldin Malalai von Maiwand benannt, die die Schlacht von Maiwand 1880 gegen die Briten anführte. Ihr Name bedeutet soviel wie kummervoll oder leidend.

Als Tochter von einem Bildungsaktivisten und Lehrer, wächst Malala hauptsächlich in der von ihrem Vater gegründeten Schule zusammen mit ihren zwei kleinen Brüdern auf. Malala beginnt schon früh mit dem Lesen, vor allem Romane mit weiblichen Heldinnen und Protagonistinnen interessieren sie sehr. Bildung wird für Malala „das Tor zu einer magischen Welt“. Einer Welt ohne Flucht vor den Taliban, Einschränkungen in ihrer Freiheit und die ständige Angst vor der Verhaftung oder Ermordung ihres engagierten Vaters.

Als Malala erfährt, dass sie nicht weiterhin zur Schule gehen darf, widersetzt sie sich, will weiterhin unterrichtet werden. Warum auch sollen Jungen weiterhin in die Schule gehen dürfen, aber Mädchen nicht? Warum soll sie kochen und putzen lernen und einen Mann heiraten, der 20 Jahre älter ist als sie, wenn sie doch studieren und arbeiten könnte? Wieso ist es nicht möglich, das Grundrecht der Menschen auf Bildung auch allen zugänglich zu machen? Um es mit ihren Worten zu sagen:

„Wieso ist es so leicht, Waffen zu geben, aber so schwierig, Bücher zu geben? Wieso ist es so einfach, Panzer zu bauen, aber so schwierig, Schulen zu errichten?“

Als Elfjährige tritt Malala das erste Mal an die Öffentlichkeit mit einer Rede zu Ehren derjenigen, die beim Selbstmordanschlag auf die Haji-Baba-Schule starben. Ausserdem betreibt sie ein BBC Blog-Tagebuch, in dem sie Artikel über die Gräueltaten und Einschränkungen der Taliban in Pakistan berichtet. Später folgen auch Auftritte im Fernsehen und 2011 erhält sie für ihren engagierten Einsatz für die Bildung von Mädchen und Frauen den Friedenspreis der Regierung ihres Heimatlandes Pakistan.

Als sie am 9. Oktober 2012 auf dem Heimweg im Bus von einigen Taliban niedergeschossen wird, scheint ihr Leben am seidenen Faden zu hängen. Im Militärkrankenhaus in Peschawar gelingt es den Ärztinnen sie zu retten. Anlass für den Anschlag ist ihr Engagement für Schulbildung für Mädchen und Frauen. 2013 veröffentlicht Malala eine Autobiographie, mit dem Namen: Ich bin Malala. Am 10. Oktober 2014 wurde ihr gemeinsam mit Kailash Satyarthi der Friedensnobelpreis für ausserordentliches Engagement und unglaublich viel Mut zum gewaltlosen Protestieren verliehen. Sie ist die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Nobelpreises. Seit dem 10. April 2017 ist Malala Friedensbotschafterin der UN.

Heute lebt Malala in England mit ihrer Familie und kann endlich zur Schule gehen. Sie hat den Malala Fund gegründet, mit dem sie Kinder ohne Bildungschancen unterstützt und Mädchen Mut gibt, für ihre Rechte einzustehen und zu kämpfen. Ihr unglaubliches Engagement für Bildung und Frieden ist unvergleichbar und extrem kostbar für unsere heutige Welt. Mädchen wie Malala sind es, die die Zukunft verändern können.

 

 

 

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