Als Durchschnittsmensch gegen die Umweltbelastung

Mehrere Millionen Tonnen Plastik landen jährlich im Me

er, der CO2-Gehalt in der Luft nimmt stärker zu als je zuvor gemessen und nicht erneuerbare Ressourcen werden in riesigen Massen abgeschöpft. Dies führt zur Zerstörung von Ökosystemen sowie Lebensraum und schliesslich zur kompletten Erschöpfung des Planeten. Da dieser unser einziges Zuhause darstellt, löschen wir uns folglich selbst aus.

Doch genug von realistischen Dystopien, davon liest man überall schon viel. Über ein Problem lesen, reden und schreiben ist einfach, etwas dagegen zu unternehmen deutlich anspruchsvoller. Vor allem, wenn man als Individuum in unserer heutigen Gesellschaft das Gefühl hat, keinen Einfluss zu haben. Genau deshalb folgen hier sechs Abschnitte, die erklären, was man als durchschnittlicher Bürger oder als durchschnittliche Bürgerin tun kann, um die Umweltbelastung zu reduzieren.

 

Den Plastikkonsum reduzieren

 

Plastik verbraucht bei der Produktion endliches Erdöl und landet nach der Verwendung zu Millionen von Tonnen in freier Natur. Dabei beeinflusst es Ökosysteme negativ, sorgt somit für das Aussterben von Tieren und Pflanzen und verschmutzt anbei auch menschlichen Lebensraum.

Um die Umwelt zu entlasten, muss möglichst auf Plastik verzichtet werden. Dies ist vor allem bei Verbrauchsplastik möglich, der täglich nur dazu verwendet wird, Waren zu transportieren und danach sofort entsorgt wird. Dessen Konsum lässt sich vermindern, wenn man die Einkäufe in Läden tätigt, die Haushalts- und Lebensmittel nicht in Plastik verpackt verkaufen. Im Idealfall bieten sie ihre Waren sogar unverpackt an.

 

Eine Möglichkeit ist das kleine Geschäft Basel unverpackt, das sich am Erasmusplatz im Kleinbasel befindet. Früchte, Gemüse, Brot, Müsli, Teigwaren, Süssigkeiten wie Datteln, Trockenfrüchte und Schokolade sowie vieles mehr lassen sich dort zu Preisen, die man sich von anderen Orten gewohnt ist, erstehen. Dafür muss man eigene Gefässe und Säcke mitnehmen, kann diese dann mit der gewünschten Ware füllen und beim nächsten Mal wiederverwenden.

 

Ähnlich ist die Abfüllerei im Gundeli. Von Gemüse und alltäglichen Früchten über Produkte für Haut und Haar wie Shampoo und Deo bis hin zu Tierfutter bietet das Grossbasler Pendant zum Basel unverpackt so ziemlich alles Wichtige für den Alltag.

 

Der Weg in diese Geschäfte kann jedoch bei gewissen Wohnorten deutlich mehr Zeit beanspruchen als der Gang in die nahegelegene Coop-, Migros- oder Dennerfiliale. Wer diesen verständlicherweise nicht immer auf sich nehmen will, hat auch andere Optionen, unverpackt einzukaufen. So kann man in den Filialen dieser bekannten Supermärkte Brote, Gemüse und Früchte in einen eigenen Sack einpacken, anstatt die dünnen Plastiksäckchen zu nehmen. Oder man nimmt einmal ein solches und verwendet es dann immer wieder.

In Bäckereien oder auf dem Markt kann man Waren zudem auch ohne (Plastik-)Verpackung kaufen. Oft muss man diese Absichten dem Verkäufer oder der Verkäuferin jedoch mitteilen, da er oder sie das Produkt ansonsten in etwas einwickelt.

Wie man sieht, bestehen Alternativen. Es ist durchaus möglich, auf täglichen Einwegplastik zu verzichten, wodurch man sich wieder ein wenig von Umweltverschmutzung und Klimawandel entfernt.

 

Als Velofahrer oder Fussgänger unterwegs sein

 

Das Velo ist das umweltfreundlichste Fahrzeug. Es verursacht während der Fahrt keine Emissionen und belastet die Umwelt nach der Fertigstellung nicht. Dennoch besitzen viele Haushalte ein oder mehrere Autos. Während man in gewissen Gegenden der Erde darauf angewiesen ist, weil die Distanzen einfach zu gross sind, haben wir in der Schweiz deutlich bessere Alternativen. Aber auch hier gibt es Regionen, in denen sich Auto fahren viel mehr lohnt. In Städten wie Basel gibt es jedoch kaum einen Grund, mit dem Auto unterwegs zu sein. Einige sind von Berufs wegen darauf angewiesen, weil sie beispielsweise bei Umzügen helfen oder Waren transportieren. Viele jedoch fahren mit ihrem Auto nur einkaufen oder zur Arbeit, auch wenn beides in der Nähe liegt und sie diese Distanzen entweder zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen könnten. Dabei hat das Fahrrad deutlich mehr Vorteile als nur die Umweltfreundlichkeit.

 

Beispielsweise verursacht das Fahrzeug an sich weniger Kosten. Es lässt sich billiger erstehen und kostet bei späteren Wartungen auch kaum etwas. Zudem zahlt man als Velofahrer keine Motorfahrzeugsteuer oder Parkplatzgebühren und benötigt keinen Treibstoff.

Weiter sorgt die Fahrt mit dem Velo für Bewegung. Wer es nicht übertreiben will, kann immer noch ein wenig langsamer fahren.

Ausserdem ist das Fahrrad bei kurzen Fahrten innerhalb von Basel oft schneller am Ziel als das Auto und auch bei ein wenig längeren Distanzen nur knapp langsamer. Das liegt daran, dass es in der Stadt viele Strassen gibt, die das Auto nur in einer Richtung befahren darf, das Velo jedoch in beide. Zudem ist es dem Velo an vielen Orten der Altstadt gestattet zu verkehren. Dabei kann man jedoch auch Zeit verlieren, da der eigene Weg sich oft mit dem von Fussgängern oder öffentlichen Verkehrsmitteln kreuzt. Muss man längere Distanzen innerhalb des Kantons zurücklegen, ist man dann meistens auch länger unterwegs als mit dem Auto.

Zu guter Letzt nahm die Zahl an Veloparkplätzen in Basel in den letzten paar Jahren deutlich zu. Vor allem jener, bei denen sich das Fahrrad sicher abschliessen lässt. Das Velo kann somit heute in den meisten Ecken der Stadt sicher parkiert werden. An vielen Orten hat es immer ein paar Plätze frei, während Autofahrer und -fahrerinnen oft eine Zeit lang nach einem günstigen Parkplatz Ausschau halten müssen.

 

Wie man liest, hat das Velo also nicht nur den Vorteil, dass es umweltschonender ist, sondern bietet auch den Reiz der Gesundheit, des finanziellen Vorteils und der Flexibilität.

 

Mit dem ständigen Fliegen aufhören

 

Fliegen! Praktisch, billig – aber grauenhaft fürs Klima. Die Konsequenzen unserer Jetterei sind uns wohlbekannt. Genauso sehr wissen wir, wie ungern wir auf diesen uralten Traum der Menschheit verzichten. Doch die Zahlen sprechen für sich:

 

Beim Hin- und Rückflug Zürich – New York stößt ein Einzelpassagier 2.6 Tonnen CO₂ aus.

Man könnte 292 Mal mit dem Zug nach Paris und zurück fahren, um dieselben Emissionen auszustossen. Oder eine LED-Lampe 213 Jahre brennen lassen. Damit sich die Erderwärmung bis 2100 auf unter zwei Grad beläuft, darf pro Jahr und Person bis 2050 nur eine Tonne CO₂ ausgestossen werden. Da haben häufige Flugreisen leider keinen Platz.

 

Die Lösung des Problems ist unglaublich einfach: Nur Flugreisen unternehmen, wenn es nicht anders geht. Und verzichten. Man muss nicht alle Jahre nach New York, Sevilla und Bali jetten.

Doch Verzicht auf Flugreisen bedeutet nicht Verzicht auf Reisespass! In Europa locken viele verborgene Ecken, die es noch zu entdecken gilt und die sehr gut per Zug erreichbar sind. Züge sind – wenn im Voraus gebucht – meist nicht viel teurer als Flugreisen.

 

  • Innereuropäische Flüge meiden, stattdessen mit Interrail reisen.
  • Der Weg ist das Ziel: Warum sich nicht Zeit nehmen für all die Orte, die zwischen Basel und deinem Zielort liegen und aus einer ewig langen Zugreise kurze, spannende Etappen machen. Du wirst überrascht sein, wie viel dir entginge, wenn du einfach darüber hinwegfliegen würdest…
  • Deine nähere Umgebung erkunden: Kennst du eigentlich das Elsass? Bist du schon auf jeden Alpengipfel gekraxelt? Hast du dich schon am Strand des Lago Maggiore geräkelt?

Alles tolle Ferien ohne enormen CO₂-Ausstoss!

 

Weniger Essen verschwenden

 

Ein Wort, welches in aller Munde ist – statt dem Essen, um welches es geht. Rund ein Drittel der Schweizer Lebensmittel wird verschwendet. Dies entspricht 320 g pro Person und pro Tag, also fast einer gesamten Mahlzeit. Fast die Hälfte der Verschwendung geschieht in den Haushalten.

 

Was du dagegen tun kannst:

  • Weniger, dafür bewusster einkaufen. Zuerst im Kühlschrank nachschauen, was überhaupt fehlt.
  • Neu Eingekauftes weiter hinten lagern, damit man die älteren Produkte nicht vergisst.
  • Kleinere Portionen zubereiten und schöpfen
  • Essensreste aufbewahren und beispielsweise zur Arbeit mitnehmen
  • Bei Ablaufdaten: Mindestens haltbar und Zu verbrauchen bis bedeuten nicht das gleiche. Grundsätzlich gilt: Probier zuerst, bevor du etwas fort wirfst. Meist sind die Hersteller übervorsichtig, wenn es um die Angaben geht und ein abgelaufenes Joghurt ist noch einwandfrei.

 

Gut für’s Gewissen und dann erst noch für’s Portemonnaie!

 

Von allem Brot, das in der Schweiz produziert wird, wird zu 56% weggeworfen. Diesem Missstand will die Äss-Bar Abhilfe leisten: In dieser Bäckerei direkt hinter dem Spalentor werden die Produkte vom Vortag aus vier Bäckereien verkauft – Sutter, Holzofenbäckerei Andreasplatz, Schneider und Da Graziella – und dies zum halben Preis! Die Idee der Äss-Bar stammt aus Zürich, mittlerweile gibt es Filialen in acht Schweizer Städten. Neben dem abwechslungsreichen Sortiment lockt einem auch die gemütliche Atmosphäre des Lokals in die Spalenvorstadt.

 

Regionale und saisonale Produkte bevorzugen

 

Der Selbstversorgungsgrad der Schweiz schwankte seit 2000 immer um die 60%, 2015 waren es noch gut 56% und heutzutage sind es noch weniger. Die Schweiz stellt momentan nur noch etwa die Hälfte der konsumierten Lebensmittel selbst her. In grossen Lebensmittelgeschäften befinden sich viele Produkte aus Übersee, die ein Vielfaches an Kilometern der aus Europa importierten Produkten zurücklegen müssen. Oft legen sie diese auch mit dem Flugzeug zurück, dass wie schon im Abschnitt Mit dem ständigen Fliegen aufhören erklärt, eines der grössten Umweltsünder ist. Einen Teil unseres ökologischen Fussabdrucks hinterlassen wir folglich im Ausland. Um diesen zu verkleinern, ist es am besten, wenn man vor allem regionale Produkte bevorzugt. Diese müssen weniger Kilometer zurücklegen und kommen meistens mit dem Auto, was eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Flugzeug darstellt. Oft werden Lebensmittel, die weit reisen müssen, auch stärker verpackt, was für mehr Abfall sorgt.

 

Wer an die vielen guten Nahrungsmittel aus exotischen Gebieten gewohnt ist, weiss aber oft nicht so recht, was es in der Region überhaupt noch gibt. Wer dann jedoch mal auf den Markt geht oder Läden mit regionalen Produkten wie das LOKAL am Erasmusplatz besucht, sieht, dass es weitaus mehr gibt, als man zuerst denkt. Das kleine Lebensmittellädeli direkt neben dem Basel unverpackt bietet diverses Gemüse, Früchte, Fleisch, Sirup, Glace, Joghurt, Honig, Marmelade, Käse, Milch und vieles mehr aus der Region. Die Milch beispielsweise stammt aus Allschwil und wird zudem in Glas abgefüllt, dass man gegen Depot mitnehmen und wieder zurückbringen kann, worauf es wiederverwendet wird.

 

Der Vorzug von Lebensmitteln aus der Schweiz und ihrer näheren Umgebung gegenüber solchen aus anderen Kontinenten sorgt für weniger schädliche Emissionen sowie in gewissen Fällen auch für weniger Verpackung und entlastet unseren Lebensraum somit wieder ein wenig mehr.

 

Den Fleischkonsum reduzieren

 

Unsere Ernährung ist für ein Drittel unserer Emissionen verantwortlich. Dabei spielt der Transport – ausser mit dem Flugzeug – eine untergeordnete Rolle.

Ein Kilo Rindfleisch verursacht gleichviel CO₂-Emissionen wie 80 kg Kartoffeln.

67% der Äcker weltweit werden für den Anbau von Futtermitteln für Nutztiere gebraucht. Gerade für Soja, welches auch Schweizer Tieren verfüttert wird, wird Regenwald abgeholzt.

Dazu kommen noch ethische Aspekte. Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Antibiotika in Massentierhaltung. Da die Tiere auf engstem Raum leben, werden sie schneller krank. Deshalb werden 75% der in Deutschland verschriebenen Antibiotika an Nutztiere verabreicht und nur 25% an Menschen. Der hohe Einsatz von Antibiotika führt zur Resistenz von Bakterien gegen die Medikamente.

 

Ein verringerter Fleischkonsum hat also direkt positive Auswirkungen auf unseren ökologischen Fussabdruck: Der Schweizer Durchschnitts-Vegetarier stösst 24% weniger CO₂-Emissionen aus wie ein Fleischesser und ein Vegimenü belastet die Umwelt durchschnittlich dreimal weniger als die Fleischalternative.

Grund genug, seine Ernährung umzustellen. Denn es gibt noch ein weiteres Plus: Vegetarisches Essen ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch unglaublich vielseitig und lecker.

 

Hier sind also die Dinge, die du tun kannst:

 

  • Deinen Fleischkonsum auf einmal pro Woche reduzieren oder vegetarisch bzw. vegan leben
  • Wenn du in Mensen/Restaurants vor der Wahl stehst: Entscheide dich fürs Vegimenüs
  • In Vegi-Restaurants wie tibits essen gehen
  • Auf der Webseite nachhaltigleben.ch kannst du deinen CO₂-Ausstoss aufgrund des Fleischkonsums berechnen.
  • Im Internet findet du zahlreiche schmackhafte Vegi-Rezepte
  • Wandle deine Lieblingsrezepte ab: Braucht es auf deinem Rührei wirklich die Speckstreifen? Probier es stattdessen mit Kräutern und Tomaten! Schmeckt die Pizza denn nicht auch ohne Salami? Pack statt Schinken mal Käse aufs Sandwich!

 

  • Ich (17) bin seit August 2018 Co-Chefredaktorin und seit März 2019 Präsidentin des Verein Cerisier. Wenn ich nicht gerade in die Tasten meines Laptops haue, steppe ich, singe im Chor und bin immer für eine Diskussion zu haben. In Zukunft wäre ich gerne Menschenrechtsanwältin, Filmregisseurin, NGO-Aktivistin oder Historikerin - gern auch alles zusammen. Doch zunächst steht die Matur im Gymnasium Bäumlihof auf der Liste.

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