Keine Hoffnung für die Bienen?

anderen Bestäubern wie Wespen oder Hummeln bestäubt werden, tragen später auch Früchte. Sowohl deswegen als auch wegen ihrem Wachs und ihrem Honig brauchen wir Bienen. Doch in den letzten Jahrzehnten zeigte sich in der Imkerei eine problematische Tendenz: Immer mehr Bienenvölker sterben. Dies führt dazu, dass in einigen Regionen der Welt nicht einmal mehr genug Bienen leben, um alle Nutzpflanzen bestäuben zu können. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Varroamilbe

Einer der bedeutendsten Auslöser für das Bienensterben ist die Varroamilbe – ein Schädling, der sich vom Blut der Bienen ernährt. Durch den Blutverlust wird die Biene stark geschwächt, wodurch deren Lebenserwartung drastisch sinkt. Ausserdem fungiert die Varroamilbe als Überträger von verschiedenen, für Bienen tödliche Krankheiten, welchen die bereits geschwächten Bienen nicht mehr standhalten können. Das Auftreten der Milben betrifft auch die Brut der Bienen. Durch die auf der Bienenbrut stattfindende Milbenfortpflanzung wird die Entwicklung der jungen Bienen schon vor dem Schlüpfen beeinträchtigt, weshalb diese meist früh verenden.

Pestizide

Eine weitere grosse Bedrohung für die Gesundheit der Bienen sind Pestizide. Chemische Mittel wie beispielsweise Confidor oder Actara stören den Orientierungssinn der Bienen, deren Entwicklung sowie ihre Lernfähigkeit und verkürzen ihre Lebensdauer dramatisch. Sowohl Actara als auch Confidor werden in Europa grossflächig eingesetzt – genau wie viele weitere gefährliche Pestizide. In einigen Gebieten der Welt zeigen sich die schwerwiegenden Auswirkungen solcher Substanzen bereits jetzt. So führte der masslose Einsatz von Pestiziden beispielsweise in der chinesischen Provinz Sichuan bereits zum Aussterben der Honigbiene. Anstatt der natürlichen Befruchtung durch Bienen werden die Birnenbäume nun durch Menschen befruchtet. Diese benutzen Pinsel und Kessel voller Pollen, um die Obstplantagen Blüte für Blüte künstlich zu bestäuben.  Dieses System ist aber zeitaufwendig und enorm teuer, da tausende Arbeitskräfte benötigt werden. Laut führenden Bienenforschern käme es für Europa deshalb kaum infrage.

Industrialisierung der Landwirtschaft

Nebst der Varroamilbe und den Pestiziden ist auch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft problematisch für Bienen. Monokulturen wie beispielsweise Mais- oder Rapsfelder, aber auch Äcker und Futterwiesen führen zu einem einschneidenden Rückgang der Pflanzenvielfalt. Dies führt schliesslich dazu, dass Bienen lediglich beschränkten Zugang zu abwechslungs- und nährstoffreicher Kost haben. Ausserdem werden durch die stetige Vergrösserung der landwirtschaftlich genutzten Fläche auch mögliche Nistplätze von wilden Bestäubern (wie beispielsweise Wildbienen oder Hummeln) zerstört, was deren Verbreitung gravierend verkleinert.

Colony Collapse Disorder

Ebenfalls eine grosse Bedrohung für die Bienen ist ein Phänomen namens Colony Collapse Disorder (CCD). Es handelt sich dabei um das unerklärliche Verschwinden von ganzen Bienenkolonien, welche nur die Königin, die Brut und einige Hebammenbienen zurücklassen. CCD ist heute eine akute Bedrohung, steigt doch seit Anfang des Jahrtausends die Anzahl der von CCD betroffenen Bienenvölker stetig. Im Jahr 2006 meldeten amerikanische Imker teilweise Verlustraten von bis zu 90%. In den darauffolgenden Jahren sank diese erschreckende Zahl wieder, allerdings sind die jährlichen Verlustraten in vielen Ländern noch immer weit über dem Normalwert. Strategien, wie man diese Zahl wieder senken könnte, gibt es bis anhin noch keine. Auch über die Auslöser von CCD sind sich Fachpersonen nicht einig. Jedoch werden eine zu hohe Belastung durch Pestizide, Infektionen, Mangelernährung sowie Lebensraumverlust als mögliche Gründe in Betracht gezogen.

Auswirkungen

Die Wertschöpfung, die mit Hilfe der Bienen generiert wird, beläuft sich aktuell auf 230 Milliarden Euro weltweit. Deshalb, und vor allem auch weil 30% unserer Lebensmittel von der Bestäubung durch Bienen abhängig ist, gelten diese zu den wichtigsten Nutztieren weltweit.

Es gibt bereits jetzt verschiedene Ansätze, wie dem zunehmenden Verschwinden der Bestäuber begegnet werden könnte: Umweltverbände wie Greenpeace fordern ein Verbot von sieben verbreiteten, bienenschädlichen Pestiziden. Forscher der amerikanischen Harvard University haben 2013 eine Bienendrohne (Robobee) vorgestellt, welche fliegen, schwimmen und sich auf Pflanzen niederlassen kann. Die Forschungen laufen auf Hochtouren weiter, denn die Bienendrohne soll irgendwann die Fähigkeit besitzen, Pflanzen zu bestäuben. Ebenfalls ein möglicher Bestäuber sind Hummeln. Mit diesen werden im Moment in Holland Tests durchgeführt.

Allen Bemühungen zum Trotz sind die Probleme in Bezug auf die so elementaren Bestäuber aber noch lange nicht gelöst. Momentan reagieren Gegenden, welche nicht genügend Bienen haben, mit dem Import von Bienen und dem Transport von Kolonien zu mehreren Plantagen jährlich. Fast alle Mandelplantagen im US-Bundesstaat Kalifornien werden mithilfe solcher Reisekolonien bestäubt. Allerdings ist der Einfluss dieser Transporte auf die Gesundheit der Bienen ebenfalls nicht unumstritten. Unumstritten ist aber, dass etwas getan werden muss, um die Honigbiene zu schützen – nicht nur der Biene, sondern auch dem Menschen zuliebe.

 

  • Ich bin 17 Jahre alt und besuche des Gymnasium am Münsterplatz. Ich interessiere mich für Politik und Geschichte und möchte letzteres auch studieren. Als Vizepräsidenten des Vereins übernehme ich die Aufgabe, alle mit zu vielen und zu ambitionierten Ideen den Kopf zu füllen.

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