Freitagmittag, den 2. November 2018, Toni-Areal der Zürcher Hochschule der Künste. Für das Medienforum Journalismus jetzt versammelten sich über 60 junge Medienschaffende aus der gesamten Deutschschweiz. Als Auftakt durfte jeder und jede die Redaktion eines Medienunternehmens besuchen und Redaktionsluft schnuppern. Das Onlinemagazin Republik, das Produktionsstudio 10vor10, die Neue Zürcher Zeitung, die Gratiszeitung 20 Minuten, die Bildorganisation Keystone und der Sender Radio Energy standen zur Auswahl und gaben einen Einblick in den Redaktionsalltag.

Später am Nachmittag gab Sarah Fluck den ersten Input und erzählte über ihre Karriere und wie sie mit Ende 20 als freie Journalistin nach Afrika reiste und aus Burundi, der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan berichtete und warum sie jetzt als Volontärin beim Tagesanzeiger arbeitet. Im Anschluss beantwortete der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich Bruno Baeriswyl Fragen wie: was wir verlieren, wenn alles öffentlich ist und warum zu sagen, „ich habe nichts zu verbergen“ der falsche Weg ist.

Die öffentliche Podiumsdiskussion über die Frage, wie viel Unterhaltung Journalismus vertrüge, offenbarte die Überheblichkeit gewisser neuen Medien gegenüber dem „seriösen“ Journalismus, allerdings auch klaren Handlungsbedarf der alteingesessenen Medien gegenüber der Gewinnung der jungen Leser_innenschaft. So darf die Antwort einer grossen Schweizer Tageszeitung auf die Frage hin, was sie denn tun würden, um die Jugend zum Lesen zu begeistern keinesfalls: „Wenn sie uns nicht lesen, was können wir da schon tun?“ sein. Bei anschliessendem Speis und Trank wurden viele Kontakte mit Gleichgesinnten und wichtigen Personen der Schweizer Medienlandschaft geknüpft.

Der Samstag stand ganz im Zeichen von Workshops. Bei Stefanie Grubenmann und Nadja Holdener wurden die sozialen Netzwerke angeschaut und wie wichtig es ist, sich zu vermarkten, Christian Mensch erklärte das Handelsregister und wo sich darin gute Geschichten verstecken, für die Pressefotografen gab Gaëtan Bally von Keystone einen Einblick in seine Arbeit und erläuterte, wie man trotz schlechter Lichtverhältnisse gute Aufnahmen schiessen kann. Und und und.

Am Abend hielten die Organisatoren ein Überraschungsevent bereit – der online Podcast „bier ab vier“ der beiden Senkrechtstarter Adam Kehl und Pascal Schreiber redeten mit Laura Zimmermann, Co-Präsidentin der Operation Libero. Das Publikum war aufgefordert, Fragen zu stellen und mitzudiskutieren und bekam als Belohnung ein Bier.

Am nächsten Morgen waren ehemalige Junge Journalisten-Mitglieder eingeladen, sich den Fragen der nächsten Generation zu stellen und von ihrer Laufbahn zu erzählen. Ausserdem stellten sich vier junge Schulmagazine vor, Quint, Tink, Tize und punk-t.

Als Fazit kann man sicher sagen, dass der Journalismus eine Zukunft hat und der ständige Pessimismus in der Form nicht so wirklich berechtigt ist. Denn wie dieses Wochenende eindrücklich gezeigt hat, gibt es viele Interessierte in diesem Bereich und wird es auch weiterhin geben. Darauf sollten wir uns alle verständigen. Und ausserdem sind die neuen Medien nicht nur Gefahr, sondern viel mehr eine Chance für Neues.

Journalismus jetzt ist das junge Medienforum des Vereins Junge Journalisten Schweiz, der Verband aller Jungjournalistinnen und Journalisten in der deutschsprachigen Schweiz. Bei Journalismus jetzt haben angehende Medienschaffende die Möglichkeit sich mit ähnlich Denkenden auszutauschen, von älteren Journalistinnen und Journalisten zu lernen, Workshops zu besuchen und neue Kontakte zu knüpfen und ihr Netzwerk aufzubauen. Das Forum findet jährlich statt und ist für alle zugänglich: https://www.jungejournalisten.ch/journalismus-jetzt/ 

  • Ich leite seit Anfang 2019 den Kulturteil bei Quint, bin Initiator von intrige.ch, dem Magazin für junges Theater und führe unter juliuseofintelmann.com einen eigenen Blog. Man trifft mich für gewöhnlich auf Probebühnen oder im (Theater-) Publikum an.

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