SMS anstatt Sirenen

Seit der Erfindung des Handys hat sich die Zeit, in der wir Nachrichten erhalten extrem verkürzt. Wir sind nicht nur in der Lage untereinander mit Lichtgeschwindigkeit zu kommunizieren, sondern können auch an grosse teile der Bevölkerung in kürzester Zeit Nachrichten versenden, Beispiele hierfür sind Twitter oder Breaking News funktion vieler Nachrichten Apps. Nach nun 10 Jahren iPhones hat dies auch der Rettungsdienst erkannt und nun bringen Länder auf der ganzen Welt ihre eigenen Warnsysteme per SMS auf. Diese sollen vor verschiedenen Gefahren warnen – von Terrorangriffen bis zu schwerem Gewitter. Es scheint beinahe, als würde dieses System die geliebten Sirenen, welche immer am ersten Mittwoch des Monats um 12 Uhr erklingen, abschaffen. Ist dies jedoch so perfekt wie gedacht? Wie Sie bereits an meinem unterton erkennen können, nein.

 

Im Januar diesen Jahres wurde auf Hawaii eine Nachricht an alle Handys von einem Frühwarnsystem versendet. Die da hiess:

BALLISTIC MISSILE THREAT INBOUND TO HAWAII. SEEK IMMEDIATE SHELTER. THIS IS NOT A DRILL.”

 

Doch wie wir heute wissen, war dies ein Fehlalarm. Dies führte zu riesiger Panik, denn erst 38 Minuten später kam die Entwarnung. Solche Fehlwarnungen sind eine grosse Gefahr aus mehreren Gründen. Erstens, verleiten sie im ersten Momenten des Alarms zu Panik und zweitens schwächen sie das Vertrauen in solche Systeme, was bei zukünftigen reelen Gefahren zu grossen Problem führen kann.

Dies ist bei weitem nicht das erste Mal, dass eine Fehlalarm per SMS versendet wurde. Die Gefahr bei dieser Art von Alarm ist, dass sie wie eine Nachricht von einem Freund wirkt. Dazu kommt, das es ein Alarmsystem ist, welches nur in eine Richtung geht. Es gibt also keinen einfach ersichtlichen Weg, mehr informationen zu erlangen. Und auch wenn man sich in den Medien informieren kann, vertraut man einer Nachricht, die an einen ganz persönlich versendet wurde, mehr als allem anderen.

 

Vor einer Woche gab es einen Vorfall im süden Polen, wo eine solche SMS an die Bevölkerung einer kleinen Region versendet wurde.In dieser Nachricht hiess es, dass sich,  aufgrund der Lage in der Ukraine, alle Männer im Alter zwischen 18 und 65 Jahre im Gemeindehaus versammeln sollen. Auch dies ein Fehlalarm und auch wenn dies deutlich weniger extrem ist als der Fehlalarm von Hawaii, zeigt es doch etwas sehr interessantes. Es zeigt nämlich, wie solche SMS-Warnsysteme vom Feind als Waffe gebraucht werden können. In diesem Fall dauern die Untersuchungen noch an, doch das Potential, dies als Waffe auszunutzen, ist riesig.

 

Bevor Handys und Telekommunikation so weit verbreitet waren, warf man Flugblätter mit Propaganda und Falschmeldungen ab, um die feindliche Bevölkerung in Panik zu versetzen und den Gegner in Chaos zu stürzen. Die Macht von Angst und Panik ist nicht zu unterschätzen. Man bedenke die Hortungseinkäufe in Amerika vor Naturkatastrophen, die Wahlentscheide, welche auf Angst basieren, heute allzu gegenwärtig, die Ausschreitungen in Chemnitz und der Sturz in totalitäre Regierungen, welche Sicherheit versprechen. Man sieht, Angst und Panik kann sehr wohl als Waffe benutzt werden.

Was kann man nun tun? Nun ich denke es gibt mehrere Lösungsansätze.

  1. Das SMS-Warnsystem muss mit höchster Sicherheit geschützt werden und behandelt werden wie eine Waffe.
  2. Die Behörde, welche diese SMS versendet, muss die Möglichkeit haben, die Medien und restlichen Behörden sofort nach versenden der SMS oder sogar vorab über die Situation zu informieren, so dass es bei einem Fehlalarm schnell klar wird, dass es einer ist.
  3. Es muss die Möglichkeit geben, die SMS schnellstmöglich über den gleichen Weg zu widerrufen.
  4. Man muss die Bevölkerung über die Vor- und Nachteile solcher Frühwarnsystem aufklären.
  5. Die Bevölkerung, muss sich aus mehreren Quellen informieren. Polizei, Internet und Nachrichtensender sind ein guter Anfang.

 

Die Vorteile eines solchen Systems sind gross, man kann die Bevölkerung vor Naturkatastrophen, Terrorattacken und anderen Gefahren schnell warnen. Doch die Gefahren sind auch sehr gross und es reicht nicht, dass die Behörde die Schuld auf die Bevölkerung verweist, weil diese sich nur aus einer Quelle informiert. Dieses System darf keine Fehlwarnungen abgeben.

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