Interrail – Zug um Zug

Mit dem Zug durch Europa reisen ist für viele ein Traum, ein weit oben aufgeführtes Ziel auf einer Bucket-List. Es verspricht eine Zeit voller Freiheit, Ungezwungenheit, Spontanität und Abenteuer. Die Vorstellung, seine eigene grossartige Geschichte zu schreiben, die man eines Tages seinen Kindern und Grosskindern erzählen wird, ist – trotz ihrer Naivität – verlockend.

Am Beginn jeder Reise steht die Planung. Doch während wir mit dem Interrail-Ticket in der Tasche noch im gemütlichen Zuhause sassen, war es schwierig, sich vorzustellen, was auf uns zukommen könnte. Ganz Europa war in unserer Reichweite! Was nimmt man mit auf eine solche Reise, um auf alles vorbereitet zu sein?

Je weniger Gepäck, desto besser! Bei der Kleidung sollte man auf alles verzichten, was man nicht unbedingt benötigen wird. In fast jedem Hostel kann man seine Kleidung für ungefähr fünf Franken waschen, so muss man nicht saubere Wäsche für einen ganzen Monat mitbringen. Und im Notfall gilt: Man kann alles vor Ort kaufen.

Das ganze Gepäck verpackt, in einem 60 Liter-Rucksack oder einem Koffer, steht der Abreise nichts mehr bevor.

Der weitere Verlauf der Reise ist abhängig vom Reiseplan: Hauptstädtetour durch Europa, in zwei Wochen durch Skandinavien oder einen ganzen Monat kreuz und quer ohne fixen Plan – alles ist möglich! Vollkommen spontan kann man den Reiseplan nach Lust und Laune abändern, an neue Bekanntschaften angleichen und an Empfehlungen anpassen. Dabei muss man im Auge behalten, für welche Züge man Reservationen benötigt. Wer in bestimmten Unterkünften übernachten möchte, muss diese auch im Voraus buchen. Im Normalfall sollte es in jeder Stadt ausreichend Hostels haben, so dass es kein Problem ist, wenn man sich erst am Reisetag eine Unterkunft sucht. Wenn man auf Nummer sicher gehen will oder mit einigen Freunden zusammen reist, sollte die Unterkunft einige Tage im Voraus buchen. Mit der der App HostelWorld findet man überall sehr einfach günstige Hostels. Wer Reisetage und Geld für eine Unterkunft sparen möchte, kann mit Nachtzügen reisen, die viele grosse Städte miteinander verbinden.

Ausserdem ist bei der Reiseplanung zu beachten, dass es bei den verschiedenen Zugnetzen in Europa grosse Unterschiede gibt. In Griechenland und Serbien ist das öffentliche Verkehrsnetz nicht annährend so ausgebaut wie hier in der Schweiz. Alle Zuginformationen kann man über die App Rail Planner finden oder auf www.rail.cc. Auch extreme Temperaturen müssen berücksichtigt werden: Griechenland im Sommer oder Norwegen im Winter sind eine wahre Herausforderung.

Diese zwei Routen, die sich durchaus auch miteinander kombinieren lassen, können wir euch sehr empfehlen:

  •     Die erste Reiseroute führt zuerst nach Wien und dann weiter nach Prag. Danach geht es weiter in die Hauptstadt der Slowakei, Bratislava. Von dort ist es nicht mehr so weit bis Budapest, wo man mit dem Zug weiterreisen kann nach Ljubljana. Mit dem Nachtzug kann man ohne Umsteigen zurück in die Schweiz fahren.
  •     Wer lieber in den Norden möchte, kann zuerst mit dem ICE nach Hamburg fahren, wo man den Zug nach Kopenhagen nehmen kann. Von dort aus lässt sich ganz Skandinavien erkunden. Malmö, Göteborg, Oslo, Bergen und Stockholm sind mit wunderschönen Zugstrecken miteinander verbunden, auch Helsinki erreicht man leicht mit der Fähre. Zurück in die Schweiz kommt man mit dem Snälltåget-Nachtzug von Malmö aus via Berlin.

Bei der Planung sollte man immer noch ein wenig zusätzliche Zeit einberechnen. So zu reisen, kann sehr kräfteraubend sein und manchmal braucht man einen Tag zum Energie tanken. Manchmal hat man aber auch noch so viel Energie, dass man spontan die Reiseroute ändert und noch eine weitere Stadt besichtigen oder man unterwegs noch Freunde treffen möchte.

Doch neben den Gedanken an totale Spontanität, Sonnenauf- und untergänge, grossartige Menschen, die man kennenlernen wird und die Landschaften und Städte, die man sehen wird, sollte man auch etwas zur Selbstunterhaltung mitnehmen. Auf Züge mit viel Verspätung wartet es sich besser mit UNO oder Reiseschach. Und wenn man den ganzen Tag und die ganze Nacht mit Eindrücken überflutet wird, tut es gut, ein Notizbuch zur Hand zu haben, das bei der Bewältigung all dieser Reize hilft.

Und somit zur letzten Empfehlung: Eine Reise soll nicht absolviert werden, sondern ein Genuss sein. Versucht nicht krankhaft, Erinnerungen zu produzieren und euch gehetzt von Stadt zu Stadt zu kämpfen, nur um das berühmteste Wahrzeichen der Stadt zu besichtigen und sich dann mit den Mitreisenden zu zerstreiten. Nehmt euch Zeit, macht was ihr wollt und geniesst eure Reise! Gelassen auf Zugausfälle, ruhig auf Kreditkarten-Probleme und leidenschaftlich auf Neues reagieren, ist der Schlüssel zu einer Reise, von der man eines Tages vielleicht wirklich seinen Enkeln erzählt. Zum hundertsten Mal.

Wir wünschen eine gute Reise!

  • Philippe Kramer

    Chefredaktor

    Ich bin Schüler am Gymnasium Leonhard und bin seit dem Sommer 2017 Chefredakteur bei Quint. In meiner Freizeit interessiere ich mich für Fotografie und Bildbearbeitung. Doch in keinem Lebensbereich darf die Leidenschaft für gute Diskussionen zu kurz kommen.

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