Die Lehre des iPhone X

Vor bald einem Jahr, am 12. September 2017, stellte Apple sein Jubiläums-iPhone vor. Das Gerät mit der römischen 10 im Namen und ohne Homebutton. Wo steht das iPhone X nach einem Jahr?

Noch immer gehört es technisch zur absoluten Spitze auf dem Markt. Das Gerät ist schnell, auch grafisch anspruchsvollere Spiele bringen es keinesfalls aus der Ruhe. Die Kamera ist, meiner subjektiven Meinung nach, nicht ganz auf dem Level des Google Pixel, aber schiesst trotz allem fantastische Bilder – egal, ob bei Tageslicht, in der Dämmerung oder unter Wasser.
Die Nutzung dieses letzten Feature braucht Überwindung, aber sie lohnt sich. Bis zu einem Meter Wassertiefe sind für das iPhone X kein Problem.

Die geschossenen Bilder kann man sich dann auf dem beachtlichen Bildschirm anschauen, der mit seinen kräftigen Farben und seiner guten Auflösung (2436 x 1125 Pixel) überzeugt.
Das Display hat nun mehr Platz – dank dem Verschwinden des Homebutton. Diese grosse Veränderung gegenüber allen Vorläufermodellen lässt das iPhone X spektakulär aussehen, sorgte aber auch dafür, dass Apple das Betriebssystem anpassen musste. Und das taten sie auf beeindruckende Weise! Nach ein bisschen Eingewöhnungszeit sind die neuen Gesten kein Problem mehr.

Verpackt ist diese beeindruckende Technik in ein kompaktes Gehäuse, das elegant, leicht und zugleich angemessen schwer ist. Dieses Design wird wahrscheinlich auch die nächsten iPhone Generationen prägen. (Nach der Absage, beziehungsweise der Verschiebung einer Neuauflage des iPhone SE scheint das alte, kantige iPhone 5 Design nun endgültig zu verschwinden.)

Der Schritt vom iPhone 7 auf das iPhone X war drastisch, so auch der Preisanstieg: Über 1000 Franken kostete das Gerät, für die Version mit 256 Gigabyte zahlt man zusätzlich noch 200 Franken mehr.

Alle grossen Technikmagazine titelten in den vergangenen Monaten sowohl ungläubig als auch leicht beeindruckt, dass Apple es trotz dieser stolzen Summe schafft, Verkaufsrekorde zu erzielen. Vor 4 Jahren war ein solcher Preis undenkbar, wer würde ein solchen Smartphone denn kaufen?

Ein Jahr nach dem Release des iPhone X scheint dieser Preis schon normal geworden zu sein: Huawei, Sony und Samsung sind mit ihren Flaggschiffen nachgezogen. Es gibt zwei sich ergänzende Theorien, die erklären könnten, wie dieser preisliche Anstieg und die Kaufwilligkeit zu erklären sind.

Zum einen bekommt man für den höheren Preis auch mehr: Neue Features wie ein dünner Rahmen, die Wasserresistenz oder die Gesichtserkennung wirken sich auch auf den Preis aus.

Zum anderen gibt es die Theorie, dass auf dem Smartphone-Markt der Preis mehr über das Produkt aussagt als umgekehrt. Wenn das Gerät teurer ist, dann muss es wohl auch besser sein, oder? Wenn man sich ein teures Smartphone zulegt, dann will man gleich das Beste!

The Verge, ein namhaftes Technik-Magazin, schreibt in einem Artikel über dieses Phänomen: „We can pretend we’re rational about these purchase decisions, but our minds tend to anchor on the initial price we’re presented with, and then extrapolate perceived value from that number.“ Kurz: Wir nehmen den Smartphone-Preis und verankern daran den Wert des Gerätes. Und nicht umgekehrt.

Laut diesem Prinzip lohnt es sich für Unternehmen, jedes Jahr ein teureres Smartphone auf den Markt zu bringen. Aufgrund dieses Trends öffnet sich die Schere zwischen Mittelklassegeräten, die einen konstanten, günstigen Preis haben und den immer teurerer werdenden High-End-Smartphones.

Wo das in Zukunft hinführen wird? Ungewiss, wie alles was mit dem Smartphone-Markt zu tun hat – vor 4 Jahren rechnete niemand mit iPhones ohne Kopfhöhrerbuchse, die über 1000 Franken kosten.

 

  • Philippe Kramer

    Chefredaktor

    Ich bin Schüler am Gymnasium Leonhard und bin seit dem Sommer 2017 Chefredakteur bei Quint. In meiner Freizeit interessiere ich mich für Fotografie und Bildbearbeitung. Doch in keinem Lebensbereich darf die Leidenschaft für gute Diskussionen zu kurz kommen.

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