“Willst du für ein Jahr vorausplanen, so baue Reis. Willst du für ein Jahrzehnt vorausplanen, so pflanze Bäume. Willst du für ein Jahrhundert planen, so bilde Menschen.”

Diese Erkenntnis formulierte der chinesische Philosoph Tschuang-Tse im 4. Jahrhundert vor Chr. und ist damit auch heute aktuell. Denn unsere Bildung, die nachhaltigste aller Ressourcen, scheint ihr Gewicht in der heutigen Politik verloren zu haben. Schweizweit gewinnt man den Eindruck, dass die enorme Bedeutung der Bildung für unsere Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen fälschlicherweise von Verantwortungspersonen in Frage gestellt wird. Der Sparkurs der Baselbieter Regierung ist dabei ein sowohl markantes, als auch trauriges Paradebeispiel. Der Landkanton versucht seit mehreren Jahren, seine Steuerdefizite durch Abbaumaßnahmen wettzumachen und verschont dabei auch nicht das Bildungswesen. Lagerbeiträge werden gekürzt, Klassen vergrössert, Altersentlastungen für Lehrpersonen gestrichen, das Staatspersonal kann nicht mehr auf den fälligen Teuerungsausgleich hoffen und die Einführung eines Leistungslohnes steht an.

Die Widersprüchlichkeit dieser Politik zeigt sich schon fast zynisch am Beispiel der FMS. Dort sollen Schüler*innen, die sich auf den Fachbereich Pädagogik spezialisieren und eventuell später selbst den Lehrerberuf ausüben möchten, ihren Instrumentalunterricht an der Schule selbst berappen. Dabei ist das Erlernen eines Instruments eng an die Ausbildung zur Primarlehrperson geknüpft. Die Lehrpersonen von morgen erhalten damit deutlich schlechtere Grundvoraussetzungen, den kommenden Jahrgängen eine vielseitige und umfangreiche Wissensvermittlung zu garantieren, als ihre Vorgänger. Bildungsabbau ist keine Sparmaßnahme, sondern ein Abbau, der sich in extremem Masse auf unsere Zukunft auswirken wird.

Die Politik im Baselland hat nicht nur Auswirkungen auf den Alltag der dort lebenden Schüler*innen und Lehrer*innen, sondern wirkt sich auch negativ auf den Nachbarkanton Basel-Stadt aus.

Das kantonale Parlament diskutierte Ende 2017 über das Finanzierungsmodell der Universität Basel. Die Trägerkantone sollten die Beiträge an die Universität Basel ihrer finanziellen Lage entsprechend bezahlen müssen. Die Mehrheit der Landräte und Landrätinnen stimmte schließlich dem Beitritt zu diesem neuen Leistungsauftrag zu. «Wir sehen dieses Paket als ein Entwicklungsauftrag und nicht als Sparpaket» sagte die Fraktionssprecherin der FDP, Marianne Hollinger. Fakt ist jedoch, dass diese Kürzung der Beiträge für die Uni ein Defizit von 40 Milliarden mit sich bringt. Bereits 2014 wurden die Semestergebühren für die Studierenden um 100 Franken auf 850 Franken angehoben. Jetzt steht eine erneute Erhöhung der Gebühren zur Debatte. Für die Studierenden stellt dies eine grosse finanzielle Belastung dar, reicht allerdings längst nicht aus, um das entstandene Finanzierungsproblem zu lösen. Vakante Professuren werden nicht mehr besetzt, Vertiefungsrichtungen eingestampft und sogar die Abschaffung einzelner Studiengänge wird in Betracht gezogen.

Ein Ende dieses fortschreitenden Abbaus in Form von Sparmassnahmen ist bei der jetzigen Haltung in den Parlamenten jedoch kaum absehbar. Deshalb setzen sich immer mehr Studierende und Schüler*innen selbst für eine nachhaltige Bildungspolitik ein. 2015 versammelten sich unter dem Motto “Bildung wahren statt sparen” hunderte Schüler*innen bei einer Demonstration in Liestal, im Frühling 2017 schallte bei den schweizweiten Schüler*innenprotesten der Hashtag “KeLoscht” durch die Straßen und für die Woche vom 19. bis 23. März 2018 haben diverse Studierenden- und Schüler*innenorganisationen zum “Bildungsaufstand” aufgerufen. Jugendliche und junge Erwachsene nehmen dabei ihre Verantwortung als Teil einer demokratischen Gesellschaft wahr und überlassen die Zukunft nicht den Freund*innen des Sozialabbaus!  

Durch dieses unermüdliche Engagement verliert die Politik ihren elitären Status, denn sie ist Teil unseres Alltags und muss für eine funktionierende Demokratie auch so wahrgenommen werden. Politik darf nicht nur in den Parlamenten stattfinden sondern muss von der gesamten Gesellschaft und für die gesamte Gesellschaft gemacht werden. Der Widerstand gegen den Bildungsabbau wird bei diesen Protesten von jenen geleistet, die direkt betroffen sind und die über Kantonsgrenzen hinweg Solidarität beweisen. Das Selbstverständnis dieses Aktivismus zeigt sich schlicht im Statement:

“Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?”

Für weitere Infos zur Aktionswoche für nachhaltige Bildungspolitik: Netzwerk der Schüler*innenorganisationen beider Basel (SOBA) info@so-beider-basel.ch 

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