In den letzten Jahren hören wir in den Medien immer wieder die Stichwörter «künstliche Intelligenz (kurz KI oder englisch: artificial intelligence, AI)», «selbstfahrende Autos», «Roboter» und je nachdem auch «Singularität» oder «Industrie 4.0». Bei den beiden zuletzt genannten Stichwörtern gibt es jedoch einen wichtigen inhaltlichen Unterschied. Die Industrie 4.0 und die Singularität unterscheiden sich insofern, dass ersteres eine weitere Industrielle Revolution ist, wie wir sie schon dreimal in der Vergangenheit erlebt haben, während die Singularität als etwas deutlich Weitreichenders mit noch weitreichenderen Folgen gesehen wird. Wie weltverändernd sie sein wird, ist noch unklar. Man nimmt jedoch an, dass diese Veränderung die grösste sein wird, die die Menschheit bisher je erlebt hat. Denkt man nun einen Moment nach, scheint diese Aussage schnell absurd, vor allem wenn man bedenkt, was wir alles durchgemacht, erlebt und erfunden haben. Vom Rad über den Buchdruck bis zum Smartphone.

Doch wann soll denn diese Veränderung kommen? Nun, eine Prognose des Director of Engineering bei Google, Ray Kurzweil, besagt, dass es 2045 soweit sein sollte. Nun kann man dies schnell als Science Fiction abstempeln, ignorieren, normal weiterleben und weiterhin davon ausgehen, dass keine Maschine je den Intelligenzgrad eines Menschen erreichen wird.

In den folgenden Passagen möchte ich Ihnen allerdings aufzeigen, wie weit unsere Technologien schon entwickelt sind. Wir haben in den letzten paar Jahren Fortschritte gemacht, die man ganz einfach verpassen und übersehen kann. Zudem möchte ich Ihnen vorab sagen, dass alles hier genannte bereits entwickelt ist. Manche Dinge befinden sich zwar noch in der Testphase, sind jedoch nicht weit von einer stabilen Endfassung entfernt.

Google Deep Mind

Das wohl prominenteste Projekt auf diesem Gebiet ist das Google Deep Mind. Dabei handelt es sich um eine Abteilung bei Google, welche sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert hat. 2015 hat diese ein Programm entwickelt, welches den Go-Weltmeister in fünf Runden 4:1 besiegen konnte. Dazu muss man wissen, das Go als das komplexeste Brettspiel überhaupt angesehen wird, da es aufgrund seiner Vielzahl an Schritten nicht möglich ist, alle Optionen zu berechnen. Mit diesem Sieg des Programms gibt es nun folglich kein Strategiespiel mehr, in welchem der Mensch besser ist als ein Programm.

Optimierung durch K.I.

Nun kann man sagen, was sind schon Brettspiele, die kaum mit der alltäglichen Welt zu vergleichen sind. Tatsächlich konnte Google 2016 jedoch mithilfe von Deep Mind die Kühlungskosten ihrer Server um 40% reduzieren. Mit dieser Optimierung ist die Firma nicht nur deutlich umweltfreundlicher geworden, sondern kann auch jährlich Millionen an Kühlkosten sparen. Dabei ist aber der springende Punkt, dass keines, der aus Menschen zusammengesetzten Teams bei Google, trotz jahrelanger Arbeit, derart rahmensprengende Erfolge in diesem Gebiet erzielen konnten. Hier wurde der Mensch also schon jetzt von einem intelligenten Programm um Längen geschlagen.

 

Die Sprache der K.I.

Als eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit wird oft die Entwicklung einer Sprache genannt. Ohne Sprache geht nichts. Und umso besser, wenn man mit jemandem sprechen kann, ohne dass andere verstehen können, was man sagt. Dies ist jedoch für diese “anderen” nicht so lustig.

Genau dies ist den Softwareentwicklern bei Facebook passiert. Zwei Chatbots haben untereinander eine eigene Sprache entwickelt und die Softwareentwickler wussten nicht mehr, worüber die beiden Bots sprachen.

AutoML Google

Der Moment der Singularität wird definiert als jener Moment, ab dem sich ein Programm ohne jegliche Hilfe eines Softwareentwicklers selbst verbessern kann. Anfang Januar 2018 gab Google bekannt, dass ihnen dies gelungen sei. Das Programm heisst AutoML (Auto Machine Learning), kann ein bestehendes neuronales Netzwerk nehmen und dieses verbessern. Trotz dieses Durchbruches ist diese Technologie jedoch noch in den Kinderschuhen und schafft es noch nicht, ohne die Hilfe von Softwareentwicklern zu einem Produkt zu kommen.

Hochfrequenzhandel

Der Hochfrequenzhandel ist ein Bereich des Aktienmarktes, welcher in Amerika im Jahr 2016 50% der abgewickelten Geschäfte ausmachen konnte und demnach den grössten Teil der Börse ausmacht. In diesem Handel kaufen und verkaufen Programme in kürzester Zeit Aktien. Sie nutzen die Grösse der Transaktion, Fluktuationen am Markt, etc. aus, um in kürzester Zeit Millionen Gewinne zu machen. All diese Transaktionen basieren auf Programmen, welche in Zukunft mithilfe von K.I. noch deutlich besser werden können. Und die Auswirkungen dieser Transaktionen sind nicht zu unterschätzen. So verlor Knight Capital 2012 innerhalb von 45 Minuten 440 Millionen US-Dollar aufgrund eines Softwarefehlers. Die Auswirkungen dieses, noch deutlicher auf Gewinnmaximierung abzielenden Bereiches auf die Gesellschaft sind noch unklar und kaum einzukalkulieren.   

Open AI

In den letzten Jahren wurde auch viel Kritik an diesen Fortschritten der K.I. laut. Berühmte Kritiker sind Stephen Hawking und Elon Musk. Letzterer, welcher bereits in anderen Bereichen den Status quo herausfordert, hat 2015 die Firma Open AI gegründet sowie eine Milliarde US-Dollar in diese non-profit Organisation investiert. Das Ziel dieser Organisation ist es, die Basis Codes von K.I. für alle frei zugänglich zu machen, um zu versichern, dass die künstlichen Intelligenzen der Gesellschaft Vorteile bringen und ihr nicht schaden. Es empfiehlt sich dabei, die Webseite dieser Organisation zu besuchen, um die Fortschritte aus erster Hand zu erfahren. (https://openai.com/).

Die künstliche Intelligenz, die das Wetter verändert

Ende 2017 gelang es der K.I. von Nvidia, ein Bild einer Strasse mitten im Winter in eines zu verwandeln, auf dem der Schnee verschwunden ist und die Sonne schien. Das Bild ist zwar gefälscht, dies lässt sich mit blossem Auge aber nicht erkennen. Die K.I. erreichte das ohne zusätzliche Vorgaben.

 

Lippenlesen mit Hilfe einer K.I.

2016 gelang es einem Team von der Universität Oxford in Zusammenarbeit mit Google Deep Mind eine K.I. zu entwickeln, welche mithilfe von 5000 Stunden an Fernsehsendungen Lippenlesen konnte. In einem Test, in dem die K.I. gegen einen professionellen Lippenleser antrat, konnte sie 93,4% richtig erkennen, während der Lippenleser nur 52,3% erreichte.

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