Die AHV – Achtung Einsturzgefahr!

Herr und Frau Schweizer machen sich Sorgen um ihre Renten und dies nicht grundlos. Um grosse Probleme zu lösen, hat unsere Regierung die Reform «Altersvorsorge 2020» lanciert. Doch wieso droht unser Rentensystem einzustürzen? Und wie genau will diese Reform die Renten unserer Eltern und unsere eigene Pension sichern?

Wir werden immer älter…

Rentner machen einen immer grösser werdenden Teil der Bevölkerung aus. Als die AHV 1947 mit 80% Ja-Stimmenanteil angenommen wurde, lag die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen noch bei 68, für Männer bei 64 Jahren. Mittlerweile liegen die durchschnittlichen Lebenserwartungen bei 84 bzw. 80 Jahren. Unausweichlich, dass jetzt über einen längeren Zeitraum mehr Rentenbeiträge ausgeschüttet werden müssen. Zusätzlich erschwerend stehen die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, kurz vor ihrer Pension. Das Prinzip, dass die arbeitende Generation für die restliche Gesellschaft aufkommt ist in Gefahr, weil das Ungleichgewicht stark zunehmen wird.

 

Lösungen der AV2020

Das Referenzalter der Frauen schrittweise erhöhen

Durch die Erhöhung des Rentenalters von 64 auf 65 Jahre können Einsparungen für die AHV erzielt werden, wie auch Mehreinnahmen durch die damit zusammenhängende Verlängerung der Beitragspflicht.

 

Flexibler Rentenbezug

Der Rentenbezug kann freiwählbar im Alter zwischen 62 und 70 Jahren beginnen, je früher desto tiefer die Rente, auch ein Teilvorbezug bzw. ein Teilaufschub der Rente soll möglich sein.

 

Erwerbstätigkeit im Rentenalter

Heutige Rentner bezahlen, wenn sie trotz Pensionierung noch eine Arbeit ausüben, ab einer gewissen Lohnhöhe einen sogenannten Freibetrag in die AHV ein. Dieser soll nun abgeschafft werden. Neu bezahlen sie weiterhin den obligatorischen Anteil, wie jeder andere Erwerbstätige auch. Diesen Rentnern bietet sich dafür die Möglichkeit, eine Neuberechnung ihrer Rente zu verlangen. Die Aufhebung des Freibetrags soll bis 2030 zu Mehreinnahmen führen, welche bis dann grösser sein sollten als die zusätzlichen Ausgaben im selben Zeitraum.

 

Regelungen zum flexiblen Rentenalter in der 2. Säule

Die AV 2020 sieht eine Einführung zum flexiblen Bezug der Altersleistungen in der 2. Säule zwischen 62 und 70 Jahren vor. Somit soll die Ausschöpfung aus der Beruflichen Vorsorge (BVG) nicht mehr durch die Pensionskassen geregelt werden, sondern ist durch den Staat geregelt, womit für die ganze Bevölkerung dieselben Bedingungen herrschen.

 

Zusatzfinanzierung durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer

1999 wurde beschlossen, 1% der MwSt.-Einnahmen in die Finanzierung der AHV zu investieren. Diese Unterstützung soll nun ausgeweitet werden, indem die Mehrwertsteuer (MwSt.) in zwei Etappen erhöht wird. Da dafür allerdings eine Abstimmung notwendig ist, werden wir am 24. September auch über die Erhöhung der Mehrwertsteuer abstimmen. Stimmt dort eine Mehrheit gegen die Erhöhung der Mehrwertsteuer, ist die Reform nicht umsetzbar. Bis 2030 wird mit Mehreinnahmen von 2,120 Mrd. Franken durch diese MwSt.-Erhöhung gerechnet.

 

Überwachung des finanziellen Gleichgewichts durch den Bundesrat

Neu soll der Bundesrat verpflichtet sein, der Bundesversammlung Massnahmen zur Stabilisierung des AHV-Ausgleichfonds vorzuschlagen, wenn dessen Jahresausgaben in den nächsten drei Jahren unter 80% zu fallen droht.

 

Schrittweise Senkung des Mindestumwandlungssatzes

Der Umwandlungssatz legt die Höhe der Renten fest. Er soll innert 4 Jahren schrittweise von 6.8% auf 6.0% gesenkt werden. Bei gleichbleibender Höhe der Rente hiesse das aber, dass die Erwerbtätigen künftig mehr bezahlen müssen.

 

3 Ausgleichsmassnahmen in der AHV

Um die Senkung des Umwandlungssatzes und die Erhöhung des Referenzalters für die Frauen auszugleichen, sind folgende Ausgleichsmassnahmen vorgesehen:

Erstens ist für jeden neu entstehenden Rentner ein Zuschlag von 70.- CHF pro Monat auf seine AHV vorgesehen. Des Weiteren wird der Fond für Ehepaare von 150% der Maximalrente auf 155% erhöht. Zum Schluss möchte die Reform die AHV-Beiträge ab 2021 um 0.3 Prozentpunkte erhöhen, um die Verbesserungen finanzieren zu können.

 

Verbesserung der Transparenz in den Geschäften der Lebensversicherer in der Beruflichen Vorsorge

Um Einbussen eines zu hohen Umwandlungssatzes zu kompensieren, möchte der Bund eine sogenannte «Rentenumwandlungssatzprämie» einführen. Es gilt undurchsichtige Umverteilungen zu vermeiden, in dem Überschüsse nicht an Dritte, sondern an diejenigen gehen, mit deren Geld diese Überschüsse erzielt wurden. Darüber hinaus dürfen die Risikoprämien der Lebensversicherer nicht mehr als doppelt so hoch sein, als der Schaden, der durch die Schadenstatistik prognostiziert wird.

 

Mein Fazit zur Altersvorsorge 2020

Die Vorlage zur Reform AV2020 ist äusserst komplex. Sie wirft mit Fachwörtern um sich, so dass sich besonders junge Wähler, also die zukünftigen Rentenzahler, vollkommen verlieren. Da es keinen Sinn ergibt, sich mit mässigem Wissen in den Dschungel dieser Informationen zu stürzen, empfehle ich Ihnen, sich den Argumenten der Gegner und Befürworter zu widmen, den Empfehlungen des Bundesrates, des Parlaments und der Parteien ihres Vertrauens Beachtung zu schenken und Ihre Meinung auf dieser Grundlage aufzubauen.

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