Kunst ertasten

Wie kann man blinde Menschen Kunst sehen lassen? Drei Museen demonstrieren, wie das funktionieren kann.

Rieke Volkenandt

Auf dem oben abgebildeten Bild sieht man die Spezialsammlung «JENSEITS DES SEHENS – Kunst verbindet Blinde und Sehende». Die Ausstellung ist in Admont, Österreich zu finden und besteht aus 27 zeitgenössischen Kunstwerken, die für sowohl für Blinde, als auch für normal sehende Menschen geöffnet ist. Für die Ausstellung wurden mehrere Künstler und Künstlerinnen beauftragt, Kunst für blinde Menschen zu erschaffen. Diese beschäftigen sich, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen, intensiv mit blinden Menschen und führen viele Dialoge mit ihnen, um ihre Wahrnehmungswelt zu erkunden. Aus diesen Dialogen entstehen dann nicht nur einfache Skulpturen, sondern auch hochkomplexe, multimediale Kreationen sowie auch Werke, die nur mit dem geführten Dialog zwischen Künstler und blinder Person zu erkennen sind. Das Projekt wurde lanciert, um einen gemeinsamen Raum für Kunst zu erschaffen.

Auch in Paris, im Centre Pompidou, können sich Blinde mit den Werken von Picasso oder Max Ernst beschäftigen und diese erfühlen. Schon am Eingang ist für die Blinden gesorgt. Es führt eine schwarze, raue Linie von der Eingangshalle durch die ganze Ausstellung bis zum Ende. Diese können die blinden Menschen ertasten und so ganz selbstständig an ihr Ziel gelangen. Dort warten dann Alain Mikli und sein blinder Mitarbeiter Vildieu auf ihre Gäste. Mikli ist ein Brillendesigner, der sich zudem auch der Kunst verschrieben hat. Er erstellt DIN-A3 grosse Reliefs aus Acetat, die Bilder der Künstler Pablo Picasso und Max Ernst darstellen. Durch kleinste Oberflächenveränderungen kann die blinde Person sich das Bild dann selber vorstellen und muss sich diese nicht mehr durch andere Personen beschreiben lassen. Allerdings kostet ein solches Relief rund 3000 Euro, was erklärt, wieso noch nicht so viele existieren.

Ähnliches wurde auch in Wien erreicht. Dort wurde das Meisterwerk von Gustav Klimts, «Der Kuss», in ein Relief umgewandelt. Dieses Relief ist allerdings noch mit Sensoren versehen, die bemerken, wo sich die Finger der blinden Person befinden. Dadurch können zur Stelle passende Audiodateien abgespielt werden.

Natürlich gibt es auch blinde Künstlerinnen und Künstler, die ihre Werke ausstellen. Eine davon ist die Baslerin Pina Dolce, die als Fotografin, Malerin und Filmemacherin arbeitet. Sie ist jedoch nicht nur Künstlerin, sondern engagiert sich auch sonst im kulturellen Bereich.

 

«Blind sein bedeutet, anders zu sehen» – Pina Dolce

 

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